11. September 2017

Organtransporte

Alternativlos

Kiel hat eines der größten Transplanationszentren, von denen in Europa nur 81 existieren. Für die Annahme von Organtransportflügen ist es unter anderem erforderlich, dass ein Flugplatz unabhängig von Wetter und Tageszeit erreichbar ist, also über ein Instrumentenlandesystem verfügt.

Von dem Bündnis gegen den Flughafen wird immer wieder betont, dass es Alternativen zum jetzigen Transport von Organen mit Flugzeugen gibt.

DAS IST FALSCH!

Auf der Jahresmitgliederversammlung Bündis 90/Die Grünen am 07.09.2017 sagte Johannes Albig wörtlich: „… es werden dann nicht mehr alle Organe nach Kiel transportiert werden können…

Die Faktenlage ist den Grünen also durchaus bekannt!

Die angeblichen Alternativen im Detail:

Hubschrauber: Hubschrauber werden sehr selten für Organtransporte eingesetzt, da Ihre Reichweite und Geschwindigkeit gegenüber einem Flugzeug stark eingeschränkt sind. Das Gebiet der Eurotransplant, der Kopforganisation der DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation), erstreckt sich im Süden bis Kroatien, Richtung Westen bis Belgien und gen Osten bis Ungarn. Diese Strecken sind für Transplantationen von Herz oder Lunge nur durch schnelle, direkte Transporte zu realisieren. Hinzu kommt, dass Hubschrauber bei stärkerem Wind oder auch schlechter Sicht nicht fliegen, schon gar nicht starten oder landen sie dabei auf einem Krankenhausdach. Bei schlechter Sicht landen Hubschrauber eher auf dem Flughafen, da dieser ein ILS (Instrumentenlandesystem) besitzt, welches dem Piloten eine Landung auch ohne Sicht ermöglicht. Außerdem werden oft Ambulanzflüge mit Organtransporten verwechselt. Ein weiterer Faktor, welcher den Hubschrauber als Mittel des Organtransportes ausschließt, ist der Platzmangel: Ein Organentnahmeteam besteht aus mindestens drei Personen. Dazu kommen Organboxen, mindestens ein Koffer mit Material und weitere Kühlboxen für benötigte Medikamente, welche mitgenommen werden müssen, da sie ggf. im Krankenhaus, in welchem die Entnahme stattfindet, nicht vorrätig sind. Es sind also, das ‚kleinste’ Team betrachtet, drei Personen mit drei Koffern/Boxen, welche in einem Hubschrauber, der in seiner Größe für die Landung auf einem Krankenhausdach ausgelegt ist, keinen Platz finden. Größere Hubschrauber bieten zwar den Platz, jedoch müssten auch Sie auf einem Flugplatz landen.

Lübeck-Blankensee: Es ist einfach zu weit enfernt, ein zeitkritisches Organ erst nach Lübeck zu liefern und dann weiter nach Kiel – gleiches gilt auch für Hamburg.

Hohn: Ist ein militärisch genutzter Flughafen, welcher 2022 geschlossen wird.

Hartenholm: Ist bereits geschlossen, hat kein ILS.

Neumünster und Rendsburg-Schachtholm: Kein ILS.

 

Zu wenig Zeit

Es werden in Kiel die unterschiedlichsten Organe transplantiert. Wichtig dabei ist die Zeitspanne, die zwischen Entnahme und Transplantation liegen darf.

Herz  – 4 h

Dabei ist vor Allem für das Transplantieren von Herzen festzuhalten: Je geringer die Ischämiezeit des Organs ist, also die Zeit, welche das Organ außerhalb des Körpers und damit frei von versorgenden Gefäßen transportiert wird, um so besser ist der Erfolg der Transplantation. Allein durch diesen Zusammenhang verringern viele Kliniken die offiziell angegebenen Ischämie- bzw. Transportzeiten von den genannten 4 h auf 2-3 h. Dabei gilt weiterhin: Je geringer die Zeit des Transportes, umso größer der Erfolg.

Schnelligkeit ist besonders im Hinblick auf die thorakalen Organe Herz und Lunge bei der Transplantation ein großer Schlüssel zum Erfolg!

Dass heißt z. B., für eine Niere (bis 24h) wird der Transport eher mit dem Auto als mit dem Flugzeug stattfinden, da hier auch ausschließlich das Organ transportiert wird. Bei Herz und Lunge sieht dies allerdings anders aus.

Hierzu eine Schilderung der Strukturen von Organtransporten:

Es werden in aller Regel keine Organspender oder Organempfänger mit einem Luftfahrzeug transportiert. Die Empfänger liegen meistens bereits in einer größeren Klinik mit Maximalversorgung wie z. B. UKSH Kiel oder Lübeck.

Dieser Patient kommt auf eine Warteliste der Organisation namens Eurotransplant. Da die Wartezeit für Herzen sehr lang ist, wird der Zustand des Patienten zunehmend schlechter, meist so schlecht, bis er einen besonderen Status auf dieser Liste erhält. Man sprich hier von ‚High-Urge’, also einer ‚hohen Dringlichkeit’ und nicht mehr transportfähig.

Ist ein auf den ersten Blick durch Eurotransplant passendes Herz gefunden, wird dieses durch die Organisation dem entsprechenden Krankenhaus mitgeteilt. Dort setzen sich die spezialisierten Ärzte an die übermittelten Informationen des Spenderorgans und schauen ein erneutes Mal, ob Organ und Patient passen. In unserem Beispiel passt diese Kombination und die Organtransplantation wird eingeleitet. Ab diesem Moment beginnt eine sehr große, komplexe logistische Aufgabe, die zusätzlich noch sehr schnell funktionieren muss. Konzentrieren wir uns aber weiterhin auf das Herz und unseren Beispielpatienten:

Nehmen wir an, der hirntote Spender läge in einem Krankenhaus in Wien. Es sind also etwas über 800 km in weniger als 2 h zu überwinden. Nachdem die Ärzte und Perfusionsassistenten alles vorbereiten und mit den Materialkoffern vor den Kliniktüren auf den Transport zum Flughafen warten, geht es von dort mit einem Flugzeug weiter. (Herz und Lunge sind generell Organe, welche durch Ärzte der Klinik entnommen werden, in welcher der Empfänger liegt. Es gibt so gut wie keine Fremdentnahmen (Entnahmen durch fremde Ärzte) bei diesen Organen.) Auf dem Flug bespricht sich das Team ein letztes Mal, stellt, sofern bestehend, Besonderheiten dieser Transplantation dar und legt weitere Details des Eingriffs fest, damit vor Ort alle Hand in Hand arbeiten und man die Transportzeit so weiter herunterschrauben kann. Vom Flughafen in Wien geht es mit dem Auto ins Krankenhaus.

Dort entnimmt das Team das Herz des Spenders. In diesem Moment beginnt der Wettlauf gegen die Zeit, ab jetzt läuft die Uhr rückwärts und zwar für maximal 3h (Da es gegebenenfalls auch in Kiel bei der Implantation zu leichten Verzögerungen kommen kann, je nachdem wie weit man bei dem Empfänger schon mit der OP fortgeschritten ist geht man nicht von 4h aus. Um Zeit Reserve zu haben, wird die offizielle Zeitangabe von 4 Stunden unterschritten und man sagt 2-3 Stunden Flugzeit, ist mehr darf es nicht sein):

Das Organ wird eingepackt und gut verschlossen, danach zieht sich das Team in Windeseile um und sitzt schon wieder im Auto, welches sie mit Blaulicht und Martinshorn zum Flughafen bringt. Dort gibt es für Organtransporte keine Kontrolle und begleitet durch Flughafenangestellte geht es mit dem Einsatzwagen direkt auf das Vorfeld neben den Flieger. Der Pilot hat bei Aufbruch aus der Klinik bereits telefonisch durch das Transplantationsteam erfahren, wann sie am Flugplatz eintreffen, so dass auch das fliegerische Team alle Vorbereitungen getroffen hat und es direkt weiter geht. Nach der Landung in Kiel steht der nächste Einsatzwagen wieder direkt neben dem Flieger. Es heißt ein weiteres Mal: Aus dem Flieger und direkt in den Wagen, mit welchem es mit Einsatzmitteln in die Klinik geht, und das Herz dem Empfänger, dessen OP bereits begann, implantiert wird.