11. September 2017

Zukunft

Es war ein Aufbruch, der die Menschheit im wahren Wortsinn beflügelt hat: Mit der Pioniertat der Gebrüder Wright vor 100 Jahren begann die Fliegerei. Doch was kommt als Nächstes? Welche Technologien werden die Flugzeuge der Zukunft noch rentabler und bequemer machen?

Eisig pfeift der Dezemberwind an der Küste von North Carolina: Windstärke vier. Auch sonst gibt es wenig positive Vorzeichen für das Projekt, das die Besitzer einer Fahrrad-Reparaturwerkstatt in den kahlen Dünen von Kitty Hawk vorbereitet haben: Das zerbrechliche Gerät aus Sperrholz und Segeltuch, das im Zentrum des Experiments steht, ist nur behelfsmäßig geflickt.

Wilbur, der ältere der beiden Werkstattbesitzer, hat es drei Tage zuvor bei einem ähnlichen Versuch zerschmettert. Wie durch ein Wunder blieben seine Knochen bei dem Unfall heil.

Jetzt friert Orville, Wilburs jüngerer Bruder, in dem fragilen Gerüst. Um 10.35 Uhr am 17. Dezember 1903 stellt er den Gashebel des hinter ihm eingebauten Petroleum-Vierzylinders auf volle Kraft. Lederriemen treiben zwei Holzpropeller, laut knatternd setzt sich das 6,43 Meter lange Gefährt in Bewegung. Immer schneller gleiten seine Kufen über die Bretterrampe, schließlich hebt der „Flyer“ ab: Orville Wright fliegt!

Gerade einmal zwölf Sekunden dauert sein Triumph, dann landet er das ungelenke Fluggerät im Dünensand, ganze 36 Meter entfernt vom Startpunkt. Doch mit dem Hüpfer an jenem kalten Dezembermorgen vor nunmehr 100 Jahren ging ein Menschheitstraum in Erfüllung: Die Schwerkraft war überwunden.

Die Gebrüder Wright waren die ersten Erdenbürger, die nicht nur passiv gleiten konnten, wie Otto Lilienthal und andere Pioniere. Ihre Maschinen hoben sie in die Lüfte und würden sie, das war sofort klar, schon bald selbstständig überall hin fliegen.

Keine technische Errungenschaft hat die Welt so sehr und im wahren Wortsinn beflügelt wie die Erfindung des Flugzeugs. Konzerne wie Boeing, Lockheed sind entstanden; weltweit leben viele Millionen Menschen von der Fliegerei: Im Flugzeugbau und seinen Zulieferbranchen, bei den Luftfahrtgesellschaften, in der Ferntouristik und bei den Flughafenbetreibern. Allein in Deutschland hängen 700.000 Arbeitsplätze von ihr ab.

Und es geht weiter, 100 Jahre nach dem Erstflug der Brüder Wright stehen viele Innovationen an, die das Fliegen noch komfortabler, das Flugzeug noch perfekter machen; die Energie sparen, die Umwelt schonen.

 

Fliegen wird elektrisch(er)

Es klingt zu schön um wahr zu sein: Flugzeuge bringen die Passagiere lautlos und emissionsfrei ans Ziel. Kann das sein?

Tatsächlich ist der rein elektrische Jumbojet nach jetzigem Stand noch Jahrzehnte entfernt. Klar ist aber auch, dass die Elektrifizierung des Luftverkehrs schon jetzt beginnt.

Zahlreiche Nischenanbieter aber auch Airbus haben bereits Kleinstflugzeuge gebaut, die ihre Kraft aus der Batterie ziehen. Der europäische Luftfahrtkonzern startet mit dem E-Fan 2.0, immerhin einem rein elektrischen Zweisitzer.

Eine Hybridmaschine mit 90 bis 100 Sitzen ist für 2035 geplant. Der Flieger hebt rein elektrisch ab, nutzt in der Höhe dann einen (eventuell mit Algensprit betriebenen) Benzin-Kolbenmotor und lädt die Akkus dabei für den nächsten Start wieder auf.

Wann die Elektro-Revolution kommt, hängt auch von den Fortschritten bei der Batterietechnik ab, sagte Airbus kommissarischer Konzernforschungs-Leiter. Es kann also alles auch schneller gehen. Bis zum Durchbruch des lautlosen Fliegens finden Erkenntnisse, die Airbus beim E-Fan gewinnt, bereits permanent Eingang in die bestehende Flotte.